Das ZAK Germany-Logo - ein ZAK Germany Schriftzug neben einer blauen, stilisierten Pusteblume. Das Z ist pink, das A ist lila, das K ist dunkelblau und das Germany ist mittelblau.

Preis gewonnen. Welt nicht gerettet.

ZAK-Newsletter #12, 20. Mai 2026

Liebe ZAK-Teilnehmende, ZAK-Freund*innen und Interessierte,

nach der Freude und Aufregung über den Förderpreis für Inklusion der Stadt und Region Hannover hat uns inzwischen der Alltag wieder eingeholt. Und wir merken: So ein Preis ist schön – aber er verändert die Welt nicht automatisch.

Es ist weiterhin Krieg in der Ukraine, im Nahen Osten und an vielen anderen Orten. Soziale Sicherungssysteme werden zunehmend abgebaut. Autoritäre Kräfte gewinnen weltweit an Einfluss. Wir könnten darüber tief seufzen, wissend nicken und diesen Newsletter an dieser Stelle beenden. Verändern würde das allerdings nichts.

Denn Empörung allein reicht nicht aus. Das Benennen von Problemen ist wichtig – aber nur ein erster Schritt. Auch ein Like, das Teilen eines Beitrags oder das Unterschreiben einer Petition ersetzen nicht die Frage: Was tun wir selbst?

Veränderung beginnt dort, wo Menschen selbst in Bewegung kommen. Nicht unbedingt groß oder spektakulär, sondern oft im Kleinen. Vielleicht kennen Sie das afrikanische Sprichwort: „Viele kleine Menschen, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht der Welt verändern.“

Veränderung beginnt im Alltag
Natürlich wäre es schön, wenn ein paar Demonstrationen oder Unterschriftensammlungen ausreichen würden, um Missstände zu beseitigen. Und ja: Manchmal bewirken sie tatsächlich viel. Aber wenn wir ausschließlich darauf warten, dass „die Politik“ alles richtet, verpassen wir eine wichtige Möglichkeit: In unserem Alltag Samen für Veränderung zu säen.

Gerade in Zeiten, in denen große gesellschaftliche Entwicklungen oft überwältigend wirken, brauchen wir neue Wege, um solidarisch zu handeln.

Ein Beispiel dafür sind die Nachbarschaftsnetzwerke in der amerikanischen Stadt Minneapolis: Dort haben sich Menschen über Messenger-Gruppen organisiert, um zugewanderte Nachbar*innen vor Verhaftung und Abschiebung durch die Einwanderungsbehörde ICE zu schützen.

Nicht alle von uns haben die Kapazitäten für politisches Engagement, Ehrenamt oder die Möglichkeit, inklusive Arbeitsplätze zu schaffen. Viele sind schon damit beschäftigt, ihren Alltag irgendwie zu bewältigen. Trotzdem lohnt sich die Frage:

Was können wir konkret tun?

Was wäre eine kleine Handlung, die Sie heute tun könnten, um Inklusion und Teilhabe zu stärken?

Einige Anregungen:

  • Auf fehlende Barrierefreiheit oder mangelnde Teilhabemöglichkeiten hinweisen. Je mehr Menschen solche Themen ansprechen, desto sichtbarer werden sie im öffentlichen Diskurs.
  • Diskriminierende Aussagen nicht unwidersprochen stehen lassen. Schweigen wird oft als Zustimmung verstanden.
  • Menschen grüßen oder anlächeln, die sonst leicht übersehen werden. Direkter Kontakt kann Verbindung und Sicherheit schaffen – für beide Seiten.
  • Eigene Privilegien bewusst einsetzen oder teilen: marginalisierten Menschen Raum geben, kleine Unternehmen statt großer Konzerne unterstützen oder spontan helfen, wenn jemand Unterstützung braucht.
  • Sich mit anderen zusammenschließen, statt allein zu bleiben. Über belastende Gefühle sprechen, sich gegenseitig stärken und sich mit den Lebensrealitäten anderer, weniger privilegierter Menschen auseinandersetzen.

Nicht ohnmächtig bleiben

Die Zeiten sind anstrengend, manchmal überwältigend. Doch Menschen haben auch unter viel schwierigeren Bedingungen Wege gefunden, ihre Welt mitzugestalten – trotz Krieg, Diktaturen, Verfolgung oder gesellschaftlicher Ausgrenzung. Nicht ohne Schmerz oder Erschöpfung. Aber dennoch lebendig, widerständig und handlungsfähig.

Vielleicht geht es gerade jetzt weniger darum, alles sofort zu lösen. Sondern darum, einander nicht zu verlieren. Verbindung aufrechtzuerhalten. Haltung zu zeigen. Und die Welt dort mitzugestalten, wo wir tatsächlich Einfluss haben.

Lassen Sie uns gemeinsam weiter an einer gerechteren und inklusiveren Gesellschaft arbeiten. Wir im ZAK bemühen uns jeden Tag darum, dafür pragmatische und zugleich wirksame Wege mit Ihnen zu entwickeln.

Mit herzlichen Pusteblumengrüßen

Simone Hatami und das ZAK-Team

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